Ausgangslage des Lichtensteiner Modells

Veranlasst durch die starken Empfehlungen der Kultusministerkonferenzen zur interkulturellen Erziehung und Bildung in der Schule sowie der Vereinten Nationen für eine „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ hat sich die Daetz-Stiftung der Aufgabe angenommen, das Interesse bei jungen Menschen für die Auseinandersetzung mit den Denkweisen, Traditionen und Glaubensrichtungen von Angehörigen anderer Kulturen zu wecken.

Dadurch werden:

  • die Berufschancen der Schülerinnen und Schüler in erheblichen Maße verbessert, da sie umfassend auf eine globalisierte Welt vorbereitet werden,
  • die Jugendlichen im Umgang mit späteren ausländischen Kollegen, Kunden oder auch Lieferanten geschult
  • die Bereitschaft der jungen Menschen erhöht, weltoffener zu werden und dabei eine Willkommenskultur zu etablieren, die dazu führt, den Deutschen mit Migrationshintergrund und den Zugewanderten mit Hochachtung und Respekt auf Augenhöhe zu begegnen. Die Jugend von heute ist die Gesellschaft von morgen. Mit ihr werden wir schrittweise die vorgenannte Willkommenskultur erreichen können.

Zur Umsetzung dieser Ziele hat die Daetz-Stiftung in den letzten Jahren ein interkulturelles Schulprogramm im so genannten „Lichtensteiner Modell“ entwickelt. Es umfasst interkulturelle Unterrichtsmodule für die

  • Klassenstufen 6 bis 7 und 8 bis 10 an Mittelschulen
  • Klassenstufen 6 bis 7, 8 bis 10 und 11 an Gymnasien

zu Indien, der Türkei, China, Russland, Polen, Tschechien und Afrika mit sämtlichen Lehr- und Lernmaterialien für fünf Unterrichtstage.

Jedes Modul ist so konzipiert, dass die Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Unterrichtswoche mittels moderner und kooperativer Lehrmethoden ein Land hinsichtlich seiner historischen Wurzeln, geographischen Besonderheiten, wirtschaftlichen Verhältnisse, Umweltprobleme sowie seiner facettenreichen Kultur kennenlernen.

Bis 2016 haben ca. 20.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 2.000 Lehrkräfte diese Schulprogramme erlebt.

Die Materialien werden den Schulen in einer Materialkiste (leihweise) und digital auf einer Onlineplattform kostenfrei zur Verfügung gestellt. Sie wurden von einem kompetenten Team sächsischer Mittelschule- und Gymnasiallehrer in enger Zusammenarbeit mit länderspezifischen Experten in der Daetz-Stiftung erarbeitet und anschließend von der Botschaft des jeweiligen Landes überprüft, an Schulen getestet und erst dann offiziell durch den Botschafter für den Schulunterricht freigegeben. Seit 2008 wurde das „Lichtensteiner Modell“ unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und Sport erfolgreich in sächsischen Gymnasien und Mittelschulen eingeführt.
Die Sensibilisierung der Jugend für Umweltprobleme im Kontext der Vermittlung interkulturellen Wissens stellt eine Besonderheit unseres Schulmodells dar. Denn erst, wenn das Interesse für die Gegebenheiten in anderen Ländern geweckt wurde, entsteht bei den Jugendlichen erfahrungsgemäß die Bereitschaft, sich mit länderspezifischen Umweltthemen auseinanderzusetzen. Die Schülerinnen und Schülern lernen somit, länderspezifische Themen aus einem kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und zugleich ökologischen Blickwinkel im Sinne einer "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zu betrachten.

BNE

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter„Bildung für nachhaltige Entwicklung" (kurz: BNE)?

BNE vermittelt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Sie versetzt Menschen in die Lage, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und dabei abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen auswirkt. Besonders wichtig ist dabei die Vermittlung von Gestaltungskompetenz - die Fähigkeit, Wissen über nachhaltige Entwicklungen anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können. Um die Umsetzung von BNE zu gewährleisten, werden die Unterrichtsstunden in Anlehnung an den „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung" erarbeitet.

Kriterien der Vereinigten Nation für die Verstärkung der Fähigkeiten zur aktiven und eigenverantwortlichen Gestaltung der Zukunft 

  • Bewertung ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklungen in ihren wesentlichen Abhängigkeiten
  • Anwendung des erarbeiteten Wissend über nachhaltige Entwicklung
  • Motivation zur Auseinandersetzung mit nachhaltigen Entwicklungsprozessen in den jeweiligen Ländern außerhalb der Unterrichts

Was ist die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“?

Die Vereinten Nationen (UN) rufen eine Dekade aus, wenn sie ein weltweit bedeutsames Thema als besonders wichtig einschätzen, bisher aber noch nicht genug dafür getan wurde. BNE ist ein solches Thema. Daher haben die Vereinten Nationen die Jahre 2005 bis 2014 zur Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erklärt. Ihr Ziel: das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in allen Bereichen der Bildung zu verankern. Die UN-Mitgliedsstaaten haben sich verpflichtet, dafür besondere Anstrengungen zu unternehmen. Die UNESCO – die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation – koordiniert die Umsetzung der Dekade auf internationaler Ebene, die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) übernimmt diese Aufgabe für die deutschen Aktivitäten. Zahlreiche Organisationen aus Politik und Zivilgesellschaft engagieren sich für die Ziele dieser Bildungsoffensive. Die DUK hat ein Nationalkomitee einberufen, das die Umsetzung der Dekade in Deutschland plant. Expertinnen und Experten aus diesem Gremium entscheiden übrigens auch über die Auszeichnung der Offiziellen Dekade-Projekte.

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